Der Löwenmensch

Der Löwenmensch, Fundplatz Schwäbische Alb

1939 wurde bei den Ausgrabungen, die von Otto Völzing (1910-2001) und Robert Wetzel (1898-1962) in der Stadel-Höhle am Hohlenstein auf der Mittleren Schwäbischen Alb durchgeführt wurden, eine bedeutende Entdeckung gemacht. Hierbei handelt es sich um die Statue eines "Löwenmenschen", die aus dem Stoßzahn eines jungen Mammuts gefertigt wurde.

Der Körper ist langgestreckt und entspricht der Form des Stoßzahnes, wodurch er eine leichte Krümmung aufweist. Die Arme sind leicht angewinkelt, wobei der linke Arm eng am Körper anliegt. Der rechte Arm ist nur an der äußersten Lamelle erhalten und ließ sich nicht mehr an die Figur anfügen.

Der Fund datiert um ca. 32000 v. Chr. und liegt damit im Aurignacien. Somit ist der Löwenmensch die bisher älteste vom Menschen geschaffene Tier-Mensch Statue.

Betrachtet man die Statue genauer, so kann man erkennen, dass sie weit mehr tierische als menschliche Merkmale aufweist. So erkennt man einen Raubkatzenkopf und einen für menschliche Maßstäbe zu langen Körper. Die Arme sind in der Form von Hinterläufen gestaltet und auch der fließende Übergang von Beinen und Rückenlinie, der keinen Ansatz eines Gesäßes zeigt, sind eher Merkmale einer Tierfigur.

Hingegen können die Proportionen der Beine und Füße durchaus als menschlich bezeichnet werden. So kann man an der Statue auch den Ansatz von Knöcheln erkennen und natürlich weist auch die aufrechte Haltung eher menschliche Züge auf. Die Schrägstellung der Beine könnte eine Bewegung angedeutet haben.

Eine häufig diskutierte Frage ist die Bestimmung des Geschlecht des Löwenmenschen. Bisher konnte noch nicht eindeutig geklärt werden, ob es sich hier um eine weibliche oder männliche Statue handelt. Eine erste Deutung als männliche Statuette stieß bereits schnell auf Widerspruch. Hauptgrund für diese Kritik war die Feststellung, dass Männer in der altsteinzeitlichen Kunst eher selten dargestellt wurden. Elisabeth Schmid, die an der abschließenden Restaurierung beteiligt war, glaubte nachweisen zu können, dass die Statuette den Körper einer Frau darstellen soll.

Geprägt war diese Annahme vorallem durch verschiedene Bearbeitungsspuren an der Vorderseite der Statue, die angeblich einen nackten Frauenkörper darstellen sollten. Jedoch ist auch diese Deutung bis heute umstritten, da sie von den fülligen Frauenfiguren der späteren Phase der Jüngeren Altsteinzeit und somit von den sogenannten „Venusstatuetten“ hergeleitet ist.

Eine Übertragung des Formenbildes auf eine um so viele Jahrtausende ältere Kultur ist mehr als fragwürdig. Zumal aus dieser Zeit anthropomorphe Figuren bisher kaum bekannt sind.

Ob die Figur überhaupt als männlich oder weiblich gedacht war, wird sich vermutlich nicht mehr klären lassen. Auch das Überwiegen tierischer Merkmale lässt durchaus die Frage zu, ob überhaupt ein spezifisches Geschlecht dargestellt werden sollte.

Eine mögliche Deutung könnte vielleicht auch im Schamanismus zu suchen sein. Hier wäre es denkbar, dass ein Mensch dargestellt ist, der sich das Fell eines Löwen übergeworfen hat und in dieser Verkleidung vielleicht ein Ritual durchgeführt hat. Doch auch dies ist bisher nur eine Theorie.


Der Fund ist heute im Ulmer Museum ausgestellt.

Homepage des Ulmer Museums

   
 

 

 

 
   




 

 

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