Die Anasazi

Im Vierländereck von Arizona, New Mexico, Utah und Colorado in den USA, lebte das Volk der Anasazi.

Die Landschaft bestand zum größten Teil aus einer Hochwüste, in der es starke Temeperaturschwankungen gab. Im Sommer herrschten bis zu 40°C plus, im Winter dagegen kühlte es bis zu minus 30°C ab. Die Landschaft war karg und nur wenige Pflanzen wuchsen in der Umgebung, zu denen überwiegend Kakteen, Salbei und ein paar wenige Gräser gehörten.

Man unterscheidet heute drei Gruppen der Anasazi, obwohl sie trotzdem alle der selben Kultur angehörten. Der hauptsächliste Unterschied der verschiedenen Gruppen bestand im Stil ihrer Keramik und der Architektur.

Die ersten Dörfer entstanden in Grubenbauweise so um das Jahr 185 v.Chr.
Heute wird diese Epoche die Kultur der Korbmacher genannt. Der Grund ist, das man aus dieser Zeit nur geflochtene Körbe fand, jedoch keine Keramik. Im Gegensatz zu den ersten Häusern, die sie noch in grober Bauweise errichteten, wurden die späteren Häuser immer mehr in die Tiefe verlegt.

Diese Gruppe der Anasazi lebte hauptsächlich vom Maisanbau. In ihren Körben fertigten sie daraus dann eine Art Breinahrung an, indem sie heiße Steine in die Körbe warfen

Im Jahre 500 n.Chr. begannen sie damit, ihre Häuser nicht mehr tief zu bauen, sondern sie bauten von da an überirdische Bauten aus Steinmauerwerk. Diese Epoche wird heute als Kultur der Felsenstadtbewohner bezeichnet. Diese Kultur entspricht auch der uns heute eigentlich bekannten Kultur der Anasazi.

Zu dieser Zeit fing man damit an, ganze Städte direkt in den Felsen zu bauen. Die Grubenhäuser, auch Kivas genannt, wurden jedoch auch weiterhin verwendet. Sie dienten von da an den Männern für zeremonielle Zwecke.

Für den Bau der Wohnkomplexe wurden natürliche Felsvorsprünge genutzt. Teilweise wurden so Wohnkomplexe mit bis zu 200 Räumen und 23 Kivas angelegt.

In dem unter Naturschutz stehenden Chaco Canyon finden sich sehr viele und vor allem große Städte, die alle in den Fels gearbeitet wurden. Man entdeckte ebenfalls ein Straßennetz von ca. 650 km Länge, welches die Städte untereinander verband.

Auf dem Höhepunkt dieser Kultur haben zwischen 30.000 und 40.000 Menschen dort gelebt. Die ausgedehnten Bewässerungssysteme der Anasazi, die überwiegend Bauern waren, ermöglichten ihnen eine reichliche Ernte. Angepflanzt wurde nicht nur Mais, sondern auch Paprika, Bohnen und natürlich auch Tabak. Um die Nahrung etwas zu ergänzen, gingen sie gelegentlich auch auf die Jagd. Aber auch Haustiere waren ihnen nicht unbekannt. Vorwiegend wurden Hunde und Truthähne gehalten.

Während die Frauen für den Wohnungsbau und die Feldarbeit zuständig waren, unterlag die Jagd ausschließlich den Männern. Gemeinsam schufen sie dagegen hervorragende Töpferarbeiten. Die landwirtschaftliche Nutzfläche des jeweiligen Gebietes wurde unter den Frauen aufgeteilt, die bei den Anasazi eine bedeutende Rolle spielten.

Die Frauen waren sozusagen die "Oberhäupter" der Familie. Nach der Hochzeit war es üblich, daß der Mann als Gast ins Haus seiner Frau zog. Trennte sich ein Paar nach einiger Zeit wieder, was auch bereits damals bei den Anasazi gelegentlich vorkam, mußte der Mann das Haus wieder verlassen. Waren Kinder aus dieser Verbindung hervorgegangen, blieben diese bei der Mutter.

Wie fast alle Kulturen dieser Welt, hatten auch die Anasazi eine eigene Religion. Da sich ihre Kultur in einer stark trockenen und daher sehr Wetterabhängigen Gegend entwickelt hat, bezogen sich die meisten ihrer Riten auf die Sicherung von genügend Feuchtigkeit für ihre Ernten. Zu ihren Hauptgottheiten gehörten daher auch die Sonne und Mutter Erde.

Sehr lange ging man davon aus, daß die Kultur der Anasazi durch eine lang anhaltende Dürre, die in den Jahren 1276 bis 1299 das Land heimsuchte, unterging. Ebenso wurde vermutet das selbst geschaffene Umweltprobleme, wie das Abholzen der Bäume, zu ihrem Untergang beigetragen haben, jedoch konnten bislang keine ausreichenden Hinweise gefunden werden, die eindeutig darauf hinweisen. Fest steht nur, das die Zivilisation der Anasazi ganz plötzlich verschwand, ohne weitere Spuren zu hinterlassen.

Überfälle anderer Völker können weitestgehend ausgeschlossen werden, da die noch heute dort ansässigen Navajo-Indianer und die Apachen erst lange nach dem Untergang der Anasazi dort auftauchten. Trotzdem wurden sie von verschiedenen Wissenschaftlern einige Zeit lang für die Vernichtung der Anasazi-Kultur verantwortlich gemacht. Doch wie bereits bemerkt, wurde inzwischen festgestellt, daß sie erst um 1500 n.Chr. die ehemalige Wirkungsstätte der Anasazi erreichten.

Name Anasazi wurde dieser Kultur im Übrigen 1936 von Alfred V. Kidder gegeben. Er beschäftigte sich mit der Kultur der Korbmacher.

Was wirklich aus den Anasazi geworden ist, wird wahrscheinlich nur noch schwer herauszufinden sein, falls es überhaupt noch möglich ist.